Die Provence erleben

Südfrankreich ist für viele ein Ort der Sehnsucht: Türkisblaues Meer und lange Sandstrände der Côte d’Azur, Lavendelduft und einsame Bergdörfer der Voralpen, römische Prachtbauten der Provence und Künstler die das Licht einfangen und für uns verewigen.

Samstag, 14.09.19

Nach einem reibungslosen Start um 6 Uhr steigen alle Teilnehmer im Laufe der Reise rechtzeitig zu und freuen sich darauf, unser Nachbarland Frankreich und insbesondere die Provence und Côte d’Azur in all ihren Facetten kennenzulernen. Schon auf der Reise können viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland entdeckt werden. Zudem bietet die Anreise über die Brenner-Autobahn, eine der ältesten Gebirgsautobahnen der Welt, spektakuläre Ausblicke in die Bergwelt sowie bezaubernde Anblicke der unzähligen Seen und Gebirgsbäche, die sich entlang der Reisestrecke durch die Natur schlängeln. Interessant ist selbstverständlich die bewegende Geschichte Südtirols. Lange Zeit wurden die Kultur und die Sprache der Deutsch-Tiroler unterdrückt, doch inzwischen schützt ein Autonomieabkommen ihre Interessen. Heute gibt es kaum noch ethnische oder sprachliche Probleme und Südtirol ist eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen in Italien. Der Tourismus boomt ganzjährig. Südtirol genießt zusammen mit dem Trentino als einzige italienische Provinz weitgehende Befugnisse zur Selbstverwaltung.Das Autonomiestatut erlaubt der Region eine weitgehende Selbstbestimmung, auch bei der Gesetzgebung. Was den Umgang mit der deutschsprachigen Minderheit angeht, gilt Südtirol als Vorbild. Insgesamt leben heute knapp eine halbe Million Menschen in Südtirol und offenbar leben sie dort gerne. Denn auch in puncto Wohlstand und Lebensqualität stehen Südtirol und seine Hauptstadt Bozen immer an der Spitze der italienischen und europäischen Statistiken. Arbeitslosigkeit ist in Südtirol kein großes Thema, der Lebensstandard hoch. Viele Südtiroler führen den Erfolg auf die Durchsetzung des Autonomie-Pakets zurück. Als es an diesem ersten Tag schon Richtung Gardasee geht bemerkt man schon an der Flora, dass es jetzt immer italienischer wird. Abgesehen von den vielen traditionellen Landhäusern sieht man auch schon die eine oder andere Zypresse am Wegesrand. Wir hören italienische Lieder, genießen die Landschaft und bringen uns in Urlaubsstimmung. Und es dauert auch nicht mehr lange, da sind wir schon an unserem ersten Hotel in Vigasio angekommen. Benvenuti in Italia!

Sonntag, 15.09.19

Nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir rechtzeitig auf, um entlang an der ligurischen Küste die französische Côte d’Azur zu erreichen. Vorbei an italienischen Städtchen schlängeln wir uns langsam nach Sanremo. Die Küstenstadt mit ca. 55.000 Einwohnern ist weltberühmt für sein Casino aus der Belle Époque, der sogenannten schönen Epoche. Die zweite Welle der Industrialisierung und medizinische Fortschritte schufen die Basis für eine enorme Steigerung der Lebenserwartung und der Lebensqualität. Dies äußerte sich vor allem im überfeinerten Lebensstil der Oberschicht. So entwarfen die Architekten des Fin de Siècle ihre Gebäude in einem regelrechten Rausch der Schönheit. Außerdem findet hier das Festival des italienischen Schlagers statt, bei dem schon Kult-Stars wie der italienische Schauspieler und Sänger Adreano Celentano aufgetreten sind. Sein Hit „Azurro“ kennt heute jedes Kind, und das nicht nur in Italien, sondern auch in vielen anderen Teilen der Welt. Auffallend ist in Sanremo auch die russisch-orthodoxe Kirche und wir erfahren, dass hier die Gemahlin von Zar Alexander II den Sommer verbracht hat. Im Schlepptau hatte sie nicht nur Bedienstete, sondern auch Schriftsteller wie den Schöpfer von Krieg und Frieden Leo Tolstoi. Und es gibt noch mehr Verbindungen zu anderen Ländern. Südfrankreich sowie die ligurische Küste Italiens – daher der Name – wurde von den Ligurern bewohnt. Diese waren eine vorrömische Bevölkerung des westlichen Alpenraums, der Oberrheins, der Westschweiz, des Rhônegebiets, der Po-Ebene sowie Korsika und Westspanien. Man ordnet sie der Bronzekultur zu und sie vermischten sich schließlich mit den Kelten, welche sich wiederum mit den Römern zu Galloromanen verschmolzen. Weiter geht es Richtung Cote d’Azur und die erste Stadt auf französischem Staatsgebiet ist Menton. Diese Kleinstadt ist nicht nur durch seine Gärten berühmt geworden, sondern auch durch seine Schriftsteller, die aus dem Ausland gekommen sind, um sich im warmen Klima zu erholen. So auch der irische Nobelpreisträger William Butler Yeats, der mit seinen Werken die irische Seele ergründen wollte und hier in Frankreich seine letzte Ruhestätte fand. Nun dauert es nicht mehr lange und wir kommen in unserem Hotel an, in dem wir zuerst die Zimmer beziehen und uns ein wenig frisch machen. Die Fluggäste sind nun auch schon eingetroffen und damit ist die Reisegruppe vollständig. Nach dem Abendessen lädt der Reiseleiter zu einem gemütlichen Spaziergang durch die Altstadt von Le Cannet ein. An einem Wandgemälde hören wir die Geschichte von 140 Familien aus Genua, die nach Le Cannet gerufen wurden um Orangen anzubauen. Die Genuesen waren eben diejenigen, die das am besten konnten, da sie in ihrer italienischen Heimat Erfahrung damit gesammelt haben. Die Ernte hier war reich und entweder wurden die Früchte gegessen oder die Blüten zu Parfüm verarbeitet. Bei einem französischen Verdauungsschnaps genießen wir nun den schönen Abend in lockerer Runde und lernen uns gegenseitig kennen. Der Chartreuse mit seiner geheimen Kräutermischung scheint den Gästen zu schmecken und so bleiben einige noch für ein zweites Gläschen und unterhalten sich bis spät abends bei immer noch warmen Temperaturen.

Montag, 16.09.19

Der Tag begann mit einer Fahrt über die weltberühmte Promenade de la Croisette, die Strandpromenade der Festivalstadt Cannes. Bevor wir aussteigen fährt uns der Bus weiter entlang der Küstenpromenade und wir sehen das Hotel Carlton Intercontinental, dessen Kuppeln den Brüsten einer Ikone der Belle Époque nachempfunden sind. La Otero (Agustina del Carmen Otero Iglesias) war eine spanische Sängerin und Tänzerin und ist aus der „Schönen Epoche“ nicht wegzudenken. Medizinischer Fortschritt und neue technische Errungenschaften ermöglichte Teilen der gehobenen Gesellschaft einen komfortableren Lebensstil und eine höhere Lebenserwartung. Dies ging schon sehr bald mit einer Überfeinerung der Gesellschaft einher, die sich dann auch derart in der Architektur äußerte. Der Name Cannes kommt vom lateinischen „canas“ was soviel bedeutet wie „Schilf“. Im Wort „sugar cane“ steckt mit „Zuckerrohr“ ebenfalls ein Gras mit langen Stängeln. Der Name spricht Bände. Tatsächlich war es so, dass Cannes bis ins 19. Jahrhundert ein verschlafenes Fischerdorf mit viel Schilf war. Dann haben Adlige aus ganz Europa den Ort für sich entdeckt und damit begonnen, Land zu kaufen und Ferienhäuser zu bauen. Mitte des 20. Jahrhunderts fand dann das erste Filmfestival in Cannes statt und es wurde die goldene Palme verliehen. Da durfte bei unserem Spaziergang natürlich der Palais de Festivals nicht fehlen. Hier kann man sich gut vorstellen, wie an den Festivaltagen die riesigen Blumenkübel beiseite geschoben werden und an der Öffnung ohne Geländer die Limousinen anhalten damit die Stars und Sternchen aussteigen können um den roten Teppich hochzustolzieren. Nachdem viele ihre ganz persönlichen Stars mit Originalunterschrift und echtem Händeabdruck gesehen haben, ging es weiter Richtung Altstadt wo wir nach einem kurzen Anstieg den Turm mit der eisernen Maske entdecken, wo der berühmte Mann mit der eisernen Maske Zuflucht suchte. Um den Staatsgefangenen des Sonnenkönigs ranken sich viele Theorien und Mysterien. War der Mann, der sein Gesicht nie zeigen durfte ein Zwilling Ludwigs des XIV? Ärzte behaupten jedenfalls, dass es nicht möglich sei Jahrzehnte eine solche Maske zu tragen, da sich ja unter der Haut allerlei Bakterien ansammeln, die den Träger langfristig schwer schaden würden. Oder hat der Aufklärer Voltaire die Geschichte benutzt um den verhassten Absolutismus zu diskreditieren? Jedenfalls ist das Geheimnis noch nicht vollständig gelüftet und lässt immer noch Raum für Spekulationen. Nun haben die Gäste noch knapp zwei Stunden Freizeit und konnten sich in Cannes auf eigene Faust umschauen und entdecken, was die engen Gässchen noch so alles zu bieten haben. Anschließend machen wir uns auf zur Panoramafahrt über die Esterelküste. Hier bestauen wir die roten Felsformationen aus Porphyr, einem roten Vulkangestein, die einen wunderschönen Kontrast zum blauen Meer bilden. Als wir in der Parfümmetropole Grasse ankommen, werden wir von unserer französischen Führerin begrüßt, die uns auf einem Rundgang in der Parfümerie in die Geheimnisse der Parfümherstellung einweiht. 3000 – 5000 Kilogramm Blüten werden für 1 Kilogramm Blütenessenz verwendet. Wichtig sind auch die unterschiedlichen Bezeichnungen. Ein Eau de Toilette hat nur noch eine Konzentration an ätherischen Ölen von 6 bis 8 Prozent. Der Duft ist weniger intensiv, es muss also mehr aufgetragen werden und der Flakon ist schneller leer. Das Eau de Parfum enthält die zweithöchste Konzentration an aromatischen Ölen, dies sind 10 bis 14 Prozent. Auch Eau de Parfum kann sparsam eingesetzt werden. Das wertvollste Endprodukt, das Parfüm, hat den höchsten Duftstoffanteil, sprich eine Konzentration an aromatischen Ölen von 15 bis 30 Prozent. Der Duft von Parfüm hält sehr lange an, es kann deshalb wesentlich sparsamer verwendet werden.

Dienstag, 17.09.19

Die Verdonschlucht gehört zu den „Grands Sites de France“. Nur 14 Monumente in Frankreich haben dieses Label, welches alle 6 Jahre neu vergeben wird. Auf über 33km Länge hat sich der türkisfarbene Fluß Verdon tief ins Kalk-Massiv 400-700m eingearbeitet. Der weiche Jurakalk macht es möglich, dass diese gigantischen Ausmaße über die Jahrmillionen entstanden sind und wir jetzt die Möglichkeit haben das imposante Ergebnis zu bestaunen. Auf einer Skala von eins bis zehn kann man den Härtegrad des weichen Jurakalk auf Position drei einordnen. Das Naturschauspiel zieht jedes Jahr Besucher aus der ganzen Welt an. Aber auch für die „Locals“ ist diese Gegend ein Paradies und einer Vielzahl an Sportarten kann in dieser traumhaften Umgebung nachgegangen werden. Das Bergdorf Moustiers-Ste-Marie, eines der schönsten Dörfer Frankreichs, lockt mit einer jahrhundertelangen Keramik – und Töpfertradition. Fayence ist eine spezielle Art der glasierten Keramik und hat eine lange Geschichte und Tradition. Fayence ist gelblich-grauer oder rötlich bis bräunlicher Ton, der mit weißer Zinnoxidglasur gebrannt wird. Es wird auch als Halbporzellan bezeichnet. Um die natürliche Farbe des Tons abzudecken und dem strahlenden Weiß des Porzellans nahezukommen und um einen geeigneten Malgrund zu schaffen und die Oberfläche undurchlässig und schmutzunempfindlich zu machen, wird eine Glasur aufgebracht. Dazu wird die geformte und getrocknete Ware bei etwa 800 bis 900 °C einem ersten Ofendurchgang, dem Rohbrand, ausgesetzt. Auf den dann noch porösen Ton wird durch Eintauchen oder Begießen ein wässriger Glasurbrei aus Zinnoxid aufgetragen. Anschließend werden die Produkte eingefärbt oder bemalt und ein zweites Mal bei etwa 1100 °C aufgeschmolzen. Diesen Vorgang nennt man Glattbrand, wodurch ein glänzend weißer Überzug und kräftig leuchtende Farben entstehen. Nach unserem Aufenthalt in dem malerischen Bergdorf genießen wir die Rückfahrt, die immer noch spektakuläre Blicke über die Verdon-Schlucht bietet. Wenn man bei den Fotostopps aufmerksam an den Steinen vorbeigeht, erblickt man auch die einen oder anderen Kräuter der Provence. So komisch es auch klingt aber in der Provence kocht niemand mit „Kräutern der Provence“. Das heißt natürlich nicht, dass die einzelnen Kräuter kein fester Bestandteil der provenzalischen Küche wären. Frischer Rosmarin, Oregano und Co. werden zuhauf verwendet und geben den Gerichten ihren typischen Geschmack. Gemischt werden die Kräuter jedoch selten: Für jedes Rezept wird ein bestimmtes Gewürz gezielt eingesetzt, am besten frisch und keinesfalls sparsam. 2003 verklagten die provenzalischen Kräuterhändler Importeure aus Marokko und Ägypten, die ihre eingeführten Produkte als „Herbes de Provence“ anpriesen. Am Ende des Rechtsstreits stand eine gesetzliche Richtlinie für die Zusammensetzung der Kräutermischung, die fortan aus 26 Prozent Oregano, 26 Prozent Rosmarin, 26 Prozent Bohnenkraut, 19 Prozent Thymian und 3 Prozent Basilikum bestehen soll. Daran müssen sich die Hersteller nun orientieren. Am Wegesrand entdeckt man sehr leicht die Inhaltsstoffe der Kräuter der Provence, welche hier in der trockenen und felsigen Schlucht im Überfluss wachsen. Über Grasse erreichen wir das Hotel und vor dem Abendessen bleibt noch Zeit, um eine Runde im Swimming-Pool des Hotels zu drehen.

Mittwoch, 18.09.19

Heute haben wir uns viel vorgenommen und machen uns auf den Weg in eine bedeutende Stadt der Côte d’Azur sowie in ein geschichtsträchtiges Fürstentum. Nizza und Monaco stehen auf dem Programm und warten darauf von uns entdeckt und erkundet zu werden. Am Vorbeifahren sehen wir das Atelier von Henry Matisse, einem wichtigen Vertreter der modernen Malerei. Er war aber auch Grafiker, Zeichner und Bildhauer. Matisse hat extra das Fenster seines Ateliers vergrößern lassen, damit noch mehr Licht eintritt. Licht war sein Thema, schließlich sind seine Gemälde so gemalt wie eine Bühne, die auf verschiedene Art und Weise ausgeleuchtet sind. Schatten, aber vor allem Helligkeit. Außerdem hat er die Farben aus ihrer Gefangenschaft befreit. Fauvisten (dt. „wilde Tiere“) waren die ersten Maler, die die Farben von Ihren ursprünglichen Zuordnungen befreit haben. So musste ein Tisch nicht mehr in klassischem braun sein, sondern konnte auch in anderen Farben dargestellt werden. Komplementärfarben spielen dabei eine ganz besondere Rolle. Die auf dem Farbenkreis gegenüberliegenden Farben wurden oft nebeneinander verwendet um für das Auge einen zugänglichen Kontrast zu erzeugen. Doch zurück zu Nizza. Die Confiserie Florian weiht uns in die Geheimnisse der Herstellung von kandierten Früchten und Blumen ein. Man ist erstaunt, welche Kombinationen überhaupt möglich sind. Nach der Führung bleibt noch etwas Zeit, um Souvenirs und Geschenke mitzunehmen. Zu Fuß erkunden wir schließlich das Zentrum mit dem Blumenmarkt, der Oper, der Kathedrale Sainte Réparate und schließlich der Altstadt. Nun bekommen wir Freizeit und können die engen Altstadtgassen sowie die Umgebung selbst erkunden. Nach einer Mittagspause geht es weiter in das Reich das Familie Grimaldi. Als wir einfahren spürt man schon die Enge und den Platzmangel im Fürstentum. Verdichtung an allen Ecken und Enden. Deswegen baut man hier im Fürstentum in die Höhe, in die Tiefe und man gräbt auch dem Meer das Wasser ab. Bezeichnenderweise erkennt man von den Aussichtsplattformen der Altstadt die Grenze zwischen Frankreich und Monaco sofort. Die flachen Häuser sind französisch, die Hochhäuser stehen in Monaco. In Monte Carlo, dem berühmtesten Stadtteil Monacos, besuchen wir das Casino von außen und von innen und bekommen einen Eindruck davon, wie der internationale Jetset lebt und feiert. Der Erfolg des Fürstentums kommt nicht von irgendwoher und wurde in der Geschichte mit viel List errungen. Aus Genua vertrieben machten sich die Grimaldis im Mittelalter auf, den Felsen von Monaco zu erobern und ihr eigenes Fürstentum zu gründen. Zugang zum Felsen verschafften sie sich mit einer List. Als Mönche verkleidet erbaten sie Einlass, überwältigten schließlich die Wachen und eroberten den Palast. Auch in der Folge zeichneten Sie sich als schlaue und wussten ihre Herrschaft mit List und den richtigen Bündnissen zu sichern und zu erweitern. Mit Grace Kelly heiratete Hollywood in den Fürstenclan ein und öffnete Monaco für amerikanische Touristen, die sich jetzt verstärkt für den Felsen interessierten. Die Zeiten in denen die Haupteinnahmen mit den Spielcasinos in Monte Carlo generiert wurden sind allerdings vorbei. Heute ist man breiter aufgestellt und hat die Einnahmen diversifiziert. Die kleine Wachablösung vor dem Fürstenpalast markiert das Ende unseres Aufenthalts und wir kehren zum Bus zurück um zum Hotel zurückzufahren. Ein erlebnisreicher Tag geht langsam zu Ende.

Donnerstag, 19.09.19

Wir fahren nach St. Maxime, einem kleinen französischem Fischerdorf, wo wir mit einem Boot zum Juwel der Côte d’Azur, nach St. Tropez fahren. Dort empfängt man uns mit der Himmelfahrtskirche und ihrem gelben Barockturm, der über der Altstadt ragt und schon aus einiger Entfernung gesehen werden kann. In der Zitadelle, die ebenfalls hoch über der Stadt ragt kann man heute ein geschichtliches Marinemuseum besuchen. Im Rahmen einer aufwändigen szenischen Gestaltung begegnen die Besucher den Seeleuten von Saint-Tropez und ihrem außergewöhnlichen Alltag, sei es beim Fischfang entlang unserer Küste oder beim Handel am anderen Ende der Welt. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts ist sie heute einer der wenigen verbliebenen Verteidigungsbauten dieser Größe an der Küste des Departements Var. Doch St. Tropez hat noch viel mehr zu bieten. Unvergessen sind die Filme am Strand von Pampelone mit Brigitte Bardot, die als Schauspielerin, Model und Sex-Symbol den Männern den Kopf verdreht hat. Wir spazieren am Hafen bis zur Statue des Admiral Suffren und vereinbaren einen Treffpunkt für die Weiterfahrt. Ein großes Interesse besteht an der alten Gendarmerie mit einem kleine Museum über „lokale“ Künstler wie den Schauspieler Louis de Funès. Viele Teilnehmer flanieren auch zum Place des Lices, bei dem man nicht nur gemütlich einen Kaffee trinken kann und gut essen kann. Hier ist der Treffpunkt der lokalen Boule – und Pétanque Spieler, die den interessierten Zuschauern ein echt französisches Schauspiel liefern. Die meisten Teilnehmer wandern natürlich zur Zitadelle, die ebenfalls fußläufig zu erreichen ist. Nachdem wir uns zum Treffpunkt wieder versammeln hält die Bordküche noch das Mittagsangebot bereit und wir genießen das zubereitete Essen. Anschließend geht es weiter in die Römerstadt Arles, wo das römische Reich sehr viele Monumente und Artefakte hinterlassen hat. Bevor wir ins Hotel gehen liegt aber noch ein ganz besonderer Fotostopp vor uns. Die Brücke von Langlois (Name des Brückenwärters) ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie vielfältig Vincent van Gogh seine Motive ausgewählt hat. Tatsächlich ist es so, dass er zu vielen seiner Motive eine bestimmte Beziehung hat. Auch die Menschen, die er gemalt hat (bzw. deren Objekte) kannte er in der Regel etwas besser als nur als flüchtige Bekanntschaft. Das Gemälde ist ein gutes Beispiel für den unkonventionellen Malstil von Van Gogh mit kurzen Pinselstrichen und Tupftechnik. Als Impressionist wollte er den Eindruck und die Stimmung des Augenblicks festhalten und dafür kann man sich natürlich nicht jahrelang Zeit lassen wie für die sixtinische Kapelle. So hat man auch gleich einen anderen Blick auf das Gemälde, das nicht „schlampig“ gemalt ist, sondern einfach nur schneller als die anderen. Außer der Hebebrücke sind fast keine Spuren vom Wirken des Künstlers mehr vorhanden. Doch die Gemälde, die zu seiner Zeit noch zum Teil verhöhnt wurden, sind mittlerweile in die Höhe geschossen und werden in verschiedenen Museen weltweit sicher verwahrt. Morgen beim Stadtrundgang haben wir noch die Möglichkeit, fünf originale Gemälde zu bestaunen, die in der Fondation Vincent van Gogh ausgestellt sind. Wir fahren ins Hotel und nach einem anstrengenden Tag freuen wir uns auf ein reichhaltiges Abendessen. Einige Teilnehmer können der Verlockung nicht widerstehen und machen sich abends noch auf den Weg ins Zentrum der provenzalischen Stadt.

Freitag, 20.09.19

Wie Narbonne und Nimes war Arles ebenfalls römische Kolonie und eine Art Miniversion der Hauptstadt. Die Römer haben im südlichen Gallien große Arenen, Theater und Wasserversorgungssysteme in der Provinz hinterlassen, die sich mit ihren Schwestern in der Hauptstadt durchaus messen können. In den Kolonien angesiedelt wurden meistens ehemalige Veteranen, was zum einen natürlich eine Belohnung für ehemalige Soldaten bedeutet und zum anderen eine Verheißung für potentielle Rekruten darstellt. Eine bessere Werbung für die römischen Legionen könnte es gar nicht geben. Nach einem gemütlichen Frühstück geht es nun ins Zentrum einer dieser Kolonien, es geht ins Zentrum von Arles, wo wir einen ausgiebigen Rundgang durch die Altstadt machen. Vom Hotel aus rollen wir quasi das Feld von hinten auf und spazieren zuerst zu den Thermen von Kaiser Konstantin. Die Anlage, die im 4. Jahrhundert nach Christus entstand bestand u.a. aus dem typischen Caldarium, also dem Heißwasserbecken, einer Apsis und den Hypokausten. Letztere waren hohle Steinböden und zum Teil Wände, durch die heiße Luft durchgeleitet wurde, so dass das Wasser immer warm bzw. heiß blieb. Weiter ging es zum Amphitheater mit den zwei Arkadenreihen verschiedener Säulenkapitelle. Im Mittelalter wurde das Amphitheater von innen mit Häusern bebaut und drei Wehrtürme angefügt. Vom antiken Theater ist nicht mehr viel übrig, aber die Orquestra gibt uns einen Eindruck, wie es wohl früher ausgesehen hat. Auf dem Platz der Republik entdecken wir den Obelisken, der im Zirkus als Spina die Rennbahn längs getrennt hat. Die Wagen mussten um die Spina herumfahren um auf die gegenüberliegende Bahn zu kommen. Die Primatiale St. Trophime, also die erste (Bischofs-)Kirche der Stadt beeindruckt mit dem berühmten Tympanon. Es sind die vier Evangelisten als Tiere abgebildet, jeder hält seine Version des neuen Testaments in den Händen. In der Mitte ist Jesus, der Weltenrichter abgebildet. Er hält in der Hand das Buch mit sieben Siegeln. Auf der linken Seite sie auserwählten Menschen, die Schutz im Schoße Abrahams finden und auf der rechten Seite die Verurteilen, die in Ketten zur Hölle fahren. Die Flammen lodern schon an deren Füßen. Das Besondere im Inneren der Kirche ist die Kombination von romanischem Portal und Trommelgewölbe sowie gotischem Chor und Kreuzrippengewölbe. Der Übergang ist sehr elegant gestaltet ohne einen Bruch im Gesamtbild zu verursachen. Unsere letzte Station des Rundganges ist der Place du Forum. Hier war das antike Zentrum von Arles, hier kreuzten sich die städtebaulichen Monumental-Achsen Cardo und Decimanus, die den Grundriss der römischen Städte bzw. Kolonien bildeten. Außerdem begrüßt uns hier eine Statue von Fréderic Mistral, dem provenzalischen Dichter, von dem wir auch noch ein Gedicht hören werden. Nun vereinbaren wir einen Treffpunkt und jeder kann mit seiner eigenen detaillierten Karte auf eigene Faust Museen besuchen, Monumente besichtigen oder einfach nur durch die engen Gassen schlendern und die Atmosphäre genießen. Um 15 Uhr treffen sich noch einige zum freiwilligen Treffpunkt ein und es geht zum Ufer, wo wir eine Pastis-Probe zu uns nehmen. Der Anisée 51 mit einer Nuance Fenchel und Süßholz schmeckt besonders mit einem ordentlichen Schuss Wasser und Eiswürfel. Eine gute Stunde bleiben wir am Ufer der Rhône sitzen und genießen den sonnigen Nachmittag mit angeregten Unterhaltungen. Um ca. 16 Uhr brechen wir wieder zum Hotel auf und genießen unsere Freizeit bis zum Abendessen.

Samstag, 21.09.19

Der Charme eines alten Fischerdorfes, ein hübscher Hafen, das türkise Meer, steile Klippen, eine mittelalterliche Festung und nicht zu vergessen, ein atemberaubendes Panorama, das ist Cassis. Wir nähern uns dem Städtchen langsam mit einem kleinen Züglein, das uns nahe ans Zentrum der Stadt bringt, so dass wir nicht lange zu Fuß gehen müssen. Cassis selbst ist ein Ort, in dem Sie wunderbar durch die engen Gassen flanieren, die malerischen alten Stadtbezirke entdecken oder in einem der vielen Straßencafés und Restaurants einfach nur sitzen, den fantastischen Rosé des Städtchens kosten und die atemberaubende Aussicht genießen können, die bereits die berühmte Schriftstellerin Virginia Woolf begeisterte. Heute ist Markt in Cassis und wir haben nicht nur die Möglichkeit die vielen kulinarischen Köstlichkeiten zu begutachten, sondern auch vor Ort zu probieren. Wenn auch die Restaurants ihre lokale Spezialität, den Seeigel, noch nicht frisch anbieten, so gibt es auf dem Markt eine Seeigel – Paste zu kaufen. Außerdem natürlich provenzalische Wurst – und Backwaren sowie leckeres südfranzösisches Nougat. Die Kirche Saint – Michel in Cassis ist ein besonderes Beispiel der Neoromanik. Im 19. Jahrhundert des Historismus wurden vorangegangene Kunststile aufgegriffen und wieder verarbeitet, zum Teil auch in Kombination mit anderen Stilen. Ein beeindruckenderes Beispiel hierfür werden wir in Marseille bewundern können, also geht es wieder zum Züglein, das uns wieder zurück zum Busparkplatz bringt. In Marseille angekommen unternehmen wir zunächst eine Panoramafahrt im Bus und unsere Reiseleiterin erklärt uns in einem sympathischen französischem Akzent die nähere Umgebung und die Metropole der zweitgrößten Stadt Frankreichs. Wir sehen die Basilika Notre-Dame-de-la-Garde, die tatsächlich wie eine „gute Mutter“ über der Stadt wacht. Am alten Hafen geht es vorbei am Fort St. Jean zur Kathedrale von Marseille, die vom selben Architekt entworfen wurde wie die Basilika. Beeindruckend ist die Kombination aus byzantinisch – neoromanischem Stil, die mit ihrer Größe monumentale Ausmaße erreicht. Weiter geht es vorbei an den stadtnahen Stränden, dem Chateau d’If und Frioul-Inseln. Das durch Alexandre Dumas zu Berühmtheit gelangte Schloss – er hatte es zum Gefängnis seines Helden, des Grafen von Monte Christo, gemacht – ist eine ehemalige Festung, die der Verteidigung der Stadt diente. Unsere Erkundung zu Fuß wird trotz leichten Regens ein tolles Erlebnis. Auf der Prachtstraße Canebiére (Der Name dieser Marseiller Straße stammt von „Canebe“ oder Hanf, aus dem die im Mittelalter arbeitenden Seilmacher die Schiffstaue herstellten). Im 19. Jh. wurden hier schöne Gebäude im Haussmann-Stil errichtet. Unter anderem sehen wir die Oper, die Börse von Marseille sowie das alte Rathaus. Weiter geht es zu den Gründungsmauern, wo uns die archäologischen Funde beeindrucken. Hier war der Ort wo alles begann und im Museum kann die Stadtgeschichte noch ausführlicher nachverfolgt werden. Doch es gibt in Marseille auch moderne Architektur zu bewundern. Die Umgebung des Vieux Port ist teilweise zu einer Fußgänger – freundlicheren Zone umgestaltet worden. Der britische Architekt Norman Foster und der französische Landschaftsarchitekt Michel Desvigne haben den Zuschlag für die Neugestaltung des Stadtkerns erhalten. Dazu gehört zum Beispiel der verspiegelte Pavillon, der 46 auf 22 Meter das Geschehen um den alten Hafen reflektiert. Das Projekt wurde 2013 abgeschlossen.

Sonntag, 22.09.19

Unser erstes Ziel an diesem verhangenen Tag ist die Festungsstadt Aigues Mortes. Sie wurde wie alle anderen Bastides in einem Zuge gebaut und ist nicht wie andere mittelalterlichen Städte organisch nach und nach entstanden. Dementsprechend sind die Häuser und Straßen wie ein Schachbrettmuster angelegt und man findet sich daher sehr gut zurecht. Um Zugang zum Meer zu haben und die Kreuzritter für den sechsten und siebten Kreuzzug nach Jerusalem verschiffen zu können, ist diese Stadt angelegt und stark befestigt worden. Der Tour de Constanze hatte einige Jahrhunderte später zur Zeit der Hugenottenverfolgungen noch eine andere Funktion. Er diente als Gefängnis für die Anhänger der Glaubensgemeinschaft. Eine Protestantin namens Mme Durand, die dort sageumschreibe 38 Jahre gefangen gehalten wurde, begnadigte man und ließ man nach dieser langen Zeit frei. Erbaut wurde sie im 13. Jahrhundert zur Zeit der Kreuzzüge. Damals lag Aigues-Mortes an einer großen Lagune und war durch Kanäle und Moore direkt mit dem nahen Meer und der Rhône verbunden. Ein idealer Hafenplatz, um sich gen Jerusalem einzuschiffen. Doch im Laufe der Jahrhunderte versandete Aigues Mortes zusehends. Heute ist das Meer deshalb sechs Kilometer entfernt. Und dennoch ist die mittelalterliche Bastide noch immer mit dem Schiff erreichbar: auf dem Canal du Rhône à Sète und auf dem Kanal, der direkt in den sehenswerten Badeort Le Grau du Roi führt. Weiter geht es durch die Lagunenlandschaft in Richtung Vogelpark. Wir besuchen den Parque Ornithologique du Gau in der Nähe von Sainte-Marie-de-la-Mer, der uns einen beeindruckenden Überblick über die reiche Vogelwelt der Camargue bietet. Über drei Viertel der Vogelarten sind hier beheimatet, sie finden hier ideale Voraussetzungen für ein artgerechtes und natürliches Leben. Der Park ist so angelegt, dass man zwischen einem 2,5 bzw. 5 Kilometer langen Weg wählen kann. Weiter geht es durch den Wilden Westen Frankreichs nach Sainte-Marie-de-la-Mer. Der Ort ist der Wallfahrtsort der Zigeuner, denn hier sind die Jüngerinnen Maria Jakobäa, Maria Salome sowie die Dienerin, die schwarze Sarah gestrandet. Die Reliquien befinden sich noch immer in der Wehrkirche und werden jedes Jahr am 24. bzw. 25. Mai in einer Prozession ans Meer getragen. Eine Statue der schwarzen Sarah, die die Roma und Sinti zu ihrer Heiligen auserkoren haben darf dabei natürlich nicht fehlen. Bis zu 30.000 Menschen nehmen an den Festlichkeiten teil und es wird nicht nur den Ursprüngen der Schutzheiligen gedacht, sondern auch Flamenco getanzt und gefeiert. Wir haben Glück und der Aufstieg zur Wehrkirche ist heute kostenlos. Über die Zinnen hinweg, die über die Jahrhunderte zur Verteidigung gegen Wikinger und Sarazenen beigetragen haben, blicken wir in die Weite der Schwemmlandebene der Camargue. Die Statuen in dem Wallfahrtsort sind ebenfalls sehr aussagekräftig. An einem Rondell erblicken wir einen französischen Cowboy, einen traditionellen Gardian, der gerade einen Stier von der Herde trennt. Die französische Version des Stierkampfes verläuft zum Glück unblutiger als die spanische Version. Bei der Course Camarguaise wird versucht eine Schleife (Cocarde) von den Hörnern zu reißen, um dann anschließend über die Absperrung zu springen und sich in Sicherheit zu bringen. Ein sportliches Spektakel, bei dem die stolzen Tiere am Ende am Leben bleiben.

Montag, 23.09.19

Man glaubt ja gar nicht, wo überall französische Schriftsteller gelebt haben und ihre Werke geschrieben haben. Die Windmühle von Daudet ist ein eindrucksvolles Beispiel hierfür. Auf einer Anhöhe ragt sie erhaben in die Höhe und gibt uns eine Vorstellung, wie das Leben eines solchen Literaten ausgesehen haben muss. Der Schriftsteller schreibt in seinen Briefen aus der Windmühle auch tatsächlich von tierischen Mitbewohnern wie den Uhu im ersten Stock und die vielen Hasen, die sich dort in den trockenen Ecken niedergelassen haben. Die Abtei von Sénanque gehört zu den Zisterzienserklöstern. Dieser Orden hat sich zunächst im Gegensatz zu den Benediktinern bei den Bauern sehr beliebt gemacht. Sie forderten nicht den berühmten zehnten (Teil) ein, lebten in Askese und standen dem klerikalen Machtapparat kritisch gegenüber. Im Endeffekt hat Ihnen diese Einstellung zu wirtschaftlichem Reichtum verholfen denn dadurch, dass sie keine regelmäßigen Einnahmen hatten, konnten sie sich nicht zurücklehnen, sondern mussten wirtschaftlich erfolgreich sein. Und das waren sie dann auch. Mit der Zeit jedoch hat man sich von den Grundsätzen Ora et Labora verabschiedet und trachtete nach Macht und Mammon. Der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux wurde zum Chefideologen des zweiten Kreuzzuges, was schließlich weitere Kritiker auf den Plan rief. Nach all den Missständen bildeten sich neue Ordensgemeinschaften – die Bettelmönche. Das Besondere am Kloster von Sénanque ist eben, dass es sich in einem schwer zugänglichen Tal in absoluter Abgeschiedenheit befand, was beweist, dass anfangs die Peregrinatio (=Leben in der Fremde), also die Abgeschiedenheit im Vordergrund stand. Die schlichte Gestaltung von Fassade und Apsis zeugt ebenso vom asketischen Charakter wie der Tagesablauf der Zisterziensermönche. Nach der Weiterfahrt stoßen wir auf eine typische südfranzösische Behausung der Hirten und semi-sesshaften Bauern. Die provenzalischen Bories, die man in der Gegend auch umgangssprachlich „gallische Hütten“ nennt, wurden aus Trockenstein, d.h. ohne Mörtel nach dem Prinzip des Krag – Gewölbes (Auskragung = Vorspringen bzw. Herausragen) erbaut. Man schichtet solange Steine versetzt aufeinander bis ein Gewölbe entsteht. Die Bauweise dieser traditionellen Wohngebäude unter Verwendung der vor Ort befindlichen Steine wurde bis ins vorherige Jahrhundert fortgeführt. Im 17. und 18. Jahrhundert zwang die Bevölkerungsentwicklung die Bauern dazu, neues Land zu bebauen. Ein kurzer Fotostopp in Gordes, einem malerischen provenzalischem Bergdorf gibt uns die Möglichkeit traditionelle und per Hand gefertigte Krippenfiguren, sogenannte Santos kennenzulernen. Aber auch die Biokleidung hier hat es in sich, wie sich an den Einkaufstüten der Gäste sehen lässt. Der Höhepunkt des Tages erwartet uns in jedoch Roussillon. Die Ockerfelsen haben das Schicksal des Dorfes über viele Jahrhunderte bzw. Jahrtausende geprägt. Schon die Römer haben im von ihnen benannten Vicus Russulus, dem roten Dorf den Ocker massenweise abgebaut und als Farbstoff verwendet. Dabei wurden nicht nur Fassaden gefärbt, die Farbpalette mit 72 Nuancen wurde auch für Kosmetik und Lebensmittel eingesetzt. Durch das ca. 30 ha große „Colorado Provençal“ führen zwei eindrucksvolle Rundwege. Der eine Rundweg ist ca. 3,9 km lang; der andere Rundweg ca. 2,1 km. Wir entscheiden uns für den kürzeren Weg und genießen die leuchtenden Farbnuancen des Ockerbruchs. Ein Rundgang durch die Stadt macht uns deutlich, dass das gesamte Dorf in den Ockerfarben glänzt. Roussillon gehört zurecht zu den schönsten Dörfern Frankreichs.

Dienstag, 24.09.19

Die Römer waren wahre Meister des Wölbungsbau, Bögen und Kuppeln waren ihre Spezialität. Einen ersten Eindruck haben wir in Arles bekommen, wo wir mit dem Theater und dem Zirkus gleich zwei Prachtexemplare römischer Bogenkunst bestaunt haben. Nun ist es an der Zeit das besterhaltene und größte römische Aquädukt zu bestaunen, den Pont du Gard. Über den Fluss Gard thront das mächtigste Bauwerk, deren technische Leistung der Antike man nur bewundern kann. Man denke nur an die 6 Tonnen schweren Steinblöcke, die bis zum oberen Ende mit Flaschenzügen und Hamsterrädern gehoben wurden. Oder das 34 cm Gefälle auf 1 km in der Wasserleitung, die genau eingehalten werden mussten damit der Wasserfluss weder ins Stocken kommt, noch zu schnell fließt und die Leitung überschwemmt. Die Römer können mit Fug und Recht als einer der geschicktesten Baumeister der Menschheitsgeschichte bezeichnet werden. Der Pont du Gard versorgte die römische Stadt Nimes mit einem Übermaß an Wasser, genügend für die Bewohner, Thermen, Wasserbecken und Fontänen. Danach geht es in die Papststadt Avignon und wir machen uns bereit, die zweite Welterbestätte des Tages zu besuchen – den Papstpalast. Man schrieb das Jahr 1304, als Papst Benedikt XI. starb. Zu seinem Nachfolger wurde der Erzbischof von Bordeaux gewählt. Er machte sich nicht einmal die Mühe, zu seiner Weihe nach Rom zu reisen, sondern ließ sich – sehr zum Wohlgefallen des französischen Königs Philipp der Schöne – in Lyon zum Papst krönen. Zunächst wurden gesundheitliche Gründe genannt, später offenbarte sich, dass wohl auch politische Erwägungen eine Rolle gespielt hatte. Im Endeffekt waren Macht und nationale Befindlichkeiten die Gründe, die zum Schisma zwischen Rom und Frankreich führten. Fast 70 Jahre währte die Regentschaft der Päpste in Avignon, dann kehrte mit Gregor XI. im Jahr 1376 als erster Papst zurück nach Rom. Der Papstpalast aber blieb, und das in seiner ganzen Schönheit und Pracht. Die Säle sollen einst so ausgestattet gewesen sein, als gehörten sie zu einem veritablen Schloss. Nach und nach verschwand wohl das eine oder andere kostbare Stück, doch erst mit der Französischen Revolution wurde der Palast fast völlig seiner Schätze beraubt. Als das Gebäude dann ab dem frühen 19. Jahrhundert als Kaserne genutzt wurde, wurden auch die letzten Überbleibsel an Kunst und Antiquitäten an Händler verscherbelt. Wir genießen noch die Freizeit in Avignon und machen uns nach der Rückkehr zum Bus auf den Weg in die Heimat. In der drittgrößten Stadt Frankreichs, die Seidenweberstadt Lyon, wo wir die Fluggäste zum Hotel begleiten, erblicken wir zuerst die beiden höchsten Gebäude: ein Bleistift und der dazugehörige Radiergummi sind in Wirklichkeit der Tour Incity und der Tour Part-Dieu mit 200 bzw. 165 Metern. In Ihnen sind unzählige Büros, Wohnungen und auch Restaurants untergebracht. Der Feierabendverkehr sorgt dafür, dass wir erst spät in unserem Hotel in Chalon-sur-Saône ankommen, wo wir erst gegen 21.30 unser wohlverdientes Abendessen bekommen. Wir bekommen mit Boeuf Bourguignon eine ganz besondere Spezialität der Region serviert. Rindfleisch in Weinsoße geschmort, garniert mit Zwiebeln und Karotten. Der kulinarische Abschluss im Burgund ist auf jeden Fall bestens gelungen.

Mittwoch, 25.09.19

Die Rückreise wird uns mit weiteren kulinarischen Köstlichkeiten des Burgund versüßt. So hören wir die Geschichte des Unternehmens Fallot, welches noch immer mit Steinmühlen mahlt und ausschließlich mit Senfkörnern aus Frankreich produziert. Diesen Anspruch können wir an der nächsten Autobahn-Raststätte auch gleich testen und einige Kostproben des Luxussenf mitnehmen. Es gibt viele verschiedene Sorten, von denen die meisten die Speisen mit einer natürlichen Schärfe würzen. Die Gäste, die noch keinen Pastis probiert haben, kommen jetzt noch in den Genuss des typisch französischen Anisées. Schließlich lässt der Reiseleiter niemand von einer Südfrankreich-Rundreise nach Hause fahren, ohne, dass er jemals den Nachfolger des berühmten Absinth Schnapses probiert hat. Ein Quiz darüber, wie viele Kilometer wir mit dem Bus bei Ankunft in Dresden zurückgelegt haben, bringt uns auf andere Gedanken und die lange Busfahrt am letzten Tag vergeht wie im Flug. Der Reiseleiter lässt nochmal die schönen Erlebnisse der Rundreise durch die Provence und die Côte d’Azur Revue passieren und fasst die Höhepunkte nochmals zusammen. Die Erinnerungen an diese schöne Reise werden wir nicht wieder vergessen und fahren glücklich und zufrieden gen Heimat…
Wo sprudeln sie frischer
die Quellen des Lebens
als auf Reisen,
wenn im Bilderstrom der Welt du
selig dahintreibst.

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